Ich habe keine besonders dramatische oder spektakuläre Geschichte zu erzählen, aber vielleicht kann mein Zeugnis trotzdem jemanden berühren.
Ich bin Christin in der vierten Generation meiner Familie. Das klingt vielleicht beeindruckend, aber ehrlich gesagt war es nur ein Titel. In China war ich nur ein- oder zweimal in der Kirche. Das Einzige, was ich damals wusste, war: Wenn ich Angst hatte, sollte ich im Herzen beten – so hatte es mir meine Oma beigebracht. Ich wusste aber gar nicht, was Beten bedeutet. Sie sagte nur: „Vertraue auf den Erlöser.“ Und so wiederholte ich innerlich, immer wenn ich Angst hatte.
Im 2013 kam ich nach Deutschland. Ende 2014 begann ich, regelmäßig die chinesische Gemeinde zu besuchen, und so lernte ich Gott Schritt für Schritt besser kennen. Zwischen 2014 und 2021 hatte ich eine relativ gute Beziehung zu Gott. Doch dann zog ich zum Studium in eine andere Stadt. Dort, ohne die Aufsicht meiner Eltern, war ich neugierig auf alles Neue. Ich begann, mich mehr mit neuen Freunden zu treffen, verpasste die Sonntagsgottesdienste und ging nicht mehr in die Gemeinde. Ich erwähnte nie, dass ich Christin bin, oder besser gesagt: Sie hätten es an mir gar nicht erkennen können. Ich war sogar ein wenig stolz darauf, mich nicht von den anderen zu unterscheiden.
Aber in schwierigen Zeiten kam ich doch wieder zu Gott. Natürlich bekam ich nicht das, was ich mir erhoffte.
Ich war sauer auf Gott. Ich fragte ihn:
„Du willst, dass ich zu dir zurückkomme, aber du hörst mein Gebet nicht und erfüllst meine Wünsche nicht. Wie soll ich wissen, dass du mich liebst?“
Durch meine Anklagen und Versuchungen wurde der Abstand zwischen mir und Gott immer größer…
Auch wenn ich in den Ferien bei meinen Eltern war und sonntags in die Kirche ging, war es nur eine Gewohnheit. Mein Körper war zwar da, aber mein Herz nicht. Ich ließ niemanden wirklich an mich heran. Ich ließ niemanden aus der Gemeinde wirklich an mich heran. Meine Gespräche mit anderen blieben bei ein paar Minuten nach dem Gottesdienst.
Diese Situation dauerte lange an, bis sich beim Gemeindefreizeit im letzten Jahr etwas veränderte. Eigentlich wollte ich gar nicht mitfahren, weil ich das Jahr davor als langweilig empfand. Es gab keine Gleichjährigen, ich wurde immer der Erwachsenengruppe zugeteilt, das Programm war anstrengend und das Essen nicht gut. Trotzdem meldeten mich meine Eltern an und nahmen mich mit.
In der Vorbereitungszeit kam ein Mädchen aus der Gemeinde auf mich zu und fragte, ob ich in der Jugendgruppe mithelfen wolle. Ich dachte: Die sind doch alle viel jünger als ich, ich als Älteste müsste viel Verantwortung übernehmen. Ich wollte nicht direkt Nein sagen, also sagte ich: Ich kann den Lobpreis leiten, aber danach gehe ich wieder zur Erwachsenengruppe. Deshalb habe ich mich auch nicht besonders engagiert vorbereitet.
Doch gleich am ersten Tag der Freizeit merkte ich, wie viel Mühe sich die Mädchen bei der Vorbereitung gegeben hatten, obwohl es für sie das erste Mal war, eine Jugendgruppe zu leiten. Sie hatten sogar drei Mitarbeiter eingeladen, um zu helfen. Ich wurde eingeladen, auch nach dem Lobpreis in der Jugendgruppe zu bleiben.
In den folgenden Tagen erlebte ich viele schöne Überraschungen. Ich stellte fest, dass die Mädels gar nicht so kindisch waren, wie ich gedacht hatte. Im Gegenteil – sie waren im Glauben stark, sanftmütig und gleichzeitig voller innerer Kraft. Durch die Mitarbeitenden habe ich gesehen, dass es junge Menschen gibt, die Gott wirklich lieben. Sie strahlten die Gnade Gottes aus: liebevoll, ermutigend, fürsorglich.
In diesen Tagen habe ich gespürt: Der Herr war mitten unter uns. Das war kein Zufall, es war Gottes Führung. Er wollte mich zurück in seine Liebe holen. Die Flamme des Glaubens in meinem Herzen fing wieder an zu brennen. Nach der Freizeit habe ich ein paar Glaubensgeschwister mehr gewonnen. Auch wenn ich mal schwach bin – sie hören mir zu, ermutigen mich und beten für mich.
Ich bin Gott so dankbar, dass er mich nie aufgegeben hat – und dass ich heute seinen Frieden erfahren darf.
Vielleicht erleben viele etwas Ähnliches oder befinden sich gerade in einer solchen Phase. In dieser Welt begegnen uns Versuchungen – früher oder später, in kleiner oder großer Form. Es ist so leicht, vom Weg abzukommen. Aber ich möchte dir sagen: Gott wird dich nie aufgeben. Du brauchst dich nur umzudrehen, und er nimmt dich mit offenen Armen wieder auf.
Er wartet schon lange auf dich – mit Geduld, mit Gnade, mit seiner Liebe.
Gott liebt dich.